{"id":202,"date":"2010-01-02T20:19:40","date_gmt":"2010-01-02T19:19:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/?page_id=202"},"modified":"2016-01-05T16:15:29","modified_gmt":"2016-01-05T15:15:29","slug":"fluss-abende-mdr","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/?page_id=202","title":{"rendered":"Fluss-Abende MDR"},"content":{"rendered":"<p>Wieviel im Leben eines Fernsehautoren ist Zufall? Diese Frage stelle ich mir oft. Zufall war es, dass 2001 das ARD-Magazin GLOBUS eingestellt wurde. Wir waren niedergeschlagen, wollten aber die Flucht nach vorn antreten. So gab es diesen denkw\u00fcrdigen Adventsabend mit\u00a0 Martina Wagner vom MDR, ein Brainstorming \u00fcber neue Projekte. Gerade war die erste deutsche Ausgabe von \u201cNational Geographic\u201d mit der Nachricht erschienen, dass es im Juli 2002 erstmals einen Badetag an der Elbe geben sollte. Damals eine unglaubliche Nachricht. Uns wurde prophezeit, niemand werde sich in den dreckigen Fluss wagen. Doch unsere Redakteurin Martina Wagner glaubte fest an die Idee und an den Enthusiasmus der Flussfreunde.<\/p>\n<p>Sie war selbst an der Elbe aufgewachsen und im Fluss geschwommen. Sie sollte Recht behalten. Mehr als 10000 Mutige wagten sich in die Elbe und bescherten unserer Premieren-Sendung eine hohe Quote. Moderator war der beliebte Schauspieler G\u00fcnther Schubert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Dreh mit G\u00fcnther Schubert auf und an der Elbe\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/schubertelbe.jpg\" alt=\"\" width=\"592\" height=\"443\" \/><\/p>\n<p>Seither entstanden 13 Flussabende.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Dreharbeiten auf der Saale hoch zu Ross\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/saaletotal.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"400\" \/><\/p>\n<p>Nein, das Bild stammt nicht aus Kanada. Es war die Saale bei Ziegenr\u00fcck, wo Janine Strahl-Oesterreich und Peter Bause unerschrocken auf die Pferde stiegen. In den sieben Jahren Filmen am Fluss entdeckten wir so manches Naturwunder. Das Bild entstand im Jahrhundertsommer 2003, der uns grandioses Drehwetter bescherte. Jeden Tag Sonne \u2013 zehn Tage lang.<\/p>\n<p>&#8222;Ich liebe die Saale wie die Inder den Ganges&#8220;, meinte Friedrich Schiller, und badete sommers alle Tage im Fluss. Die Studenten machten in Jena das Flussbaden popul\u00e4r, bis in die 1930 waren Geschlechter streng getrennt, dann wurde es lockerer, Strandb\u00e4der wie Jena-Lichtenhain l\u00f6sten die strengen Badeanstalten ab. Beliebt war das alte Flussbad am Eisrechenwehr oder ein Bad im Stadtpark Jena-Paradies.<\/p>\n<p>Die Flussb\u00e4der zogen sich wie Perlen die Saale entlang: Saaldorf, Jena, Bad K\u00f6sen, Naumburg, Bernburg, Wei\u00dfenfels, Comburg, Calbe und vor allem die Gro\u00dfstadt Halle. Hier gab es ein gutes Dutzend, besonders beliebt das Flora-Bad, f\u00fcr Damen und Herren. Erste Bademeister waren die Halloren, die Salzsieder.<\/p>\n<p>Halles Kadetten lernten Schwimmen in zwei Milit\u00e4rbadeanstalten. Zutritt f\u00fcr Damen verboten. In den Weing\u00e4rten und an den Pulverweiden in Halle wurden bald gro\u00dfe Flussb\u00e4der angelegt, auch von Arbeitersportvereinen. So riesig war der Andrang. Seltene Filmaufnahmen vom Badegewimmel am Hafen Halle-Trotha in den 30er Jahren<\/p>\n<p>Doch ihre N\u00e4he zur mitteldeutschen Chemieregion wurde der Saale zum Verh\u00e4ngnis. Wie hier in Bernburg leiteten auch in Buna, Leuna, Merseburg Chemiefabriken giftige Abw\u00e4sser ein, dazu noch Zellulosefabriken. Baden wurde gef\u00e4hrlich und Mitte der 50er Jahre schlie\u00dflich verboten.<\/p>\n<p>Seit der Wende hat sich die Wasserqualit\u00e4t der Saale dramatisch verbessert. Die verbliebenen Chemiebetriebe filtern ihr Abwasser. 52 neue Kl\u00e4rwerke gingen in Betrieb, kl\u00e4ren fast alle zulaufenden Abw\u00e4sser. Trotzdem r\u00fcmpfen viele noch die Nase. \u00dcbers braune Saale-Wasser.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Unser Drehteam an der Moldau (vor der Karlsbr\u00fccke in Prag)\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/moldau.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"399\" \/><\/p>\n<p>Bei den Dreharbeiten zum elften Flussabend erwischte uns ein \u00fcbler Schneesturm auf der Moldau in Prag. Vor der Karlsbr\u00fccke mimte Peter Bause den sagenhaften Wassermann, der die Seelen der Ertrunkenen sammelt.<\/p>\n<h2>Flussschwimmen in der Moldau<\/h2>\n<p>Zum Europ\u00e4ischen Badetag 2007 wurden Badestellen eingerichtet in Prag und einem dutzend anderen Moldau-Orten, in Decin, Usti nad Labem, Pardubice, Kolin nad Labem u.v.a..<\/p>\n<h2>Wo die Prager im 19. Jahrhundert baden gingen<\/h2>\n<p>Die Boheme des 19. Jahrhunderts war ganz und gar nicht so badelustig wie heutige Zeitgenossen. Das erste \u00f6ffentliche Freibad in der Moldau unterstand dem Milit\u00e4r und erlangte zweifelhafte Ber\u00fchmtheit durch ein viel diskutiertes Ungl\u00fcck. Als der ber\u00fchmte F\u00fcrst Rohan im Jahr 1846 seinen Truppen einen mutigen Sprung ins Wasser demonstrieren wollte, ertrank er. Nicht zuletzt damit erkl\u00e4ren Historiker die anf\u00e4ngliche Verachtung der feinen Prager Gesellschaft f\u00fcr den Schwimmsport. Frauen sorgten als Schwimmerinnen in der Moldau immer wieder f\u00fcr Skandale. Eine junge Adlige \u2013 ereiferte sich die Presse damals &#8211; war von ihren englischen Eltern gezwungen worden, in der Moldau das Schwimmen zu erlernen.<\/p>\n<p>Erst einer Gruppe junger \u00c4rzte und der Schriftstellerin Bozena Nemcova gelang es schlie\u00dflich, den Schwimmsport in der Prager Moldau zu rehabilitieren.<\/p>\n<h2>Walr\u00f6sser &#8211; die legend\u00e4ren Eisschwimmer der Moldau<\/h2>\n<p>In Tschechien gelten sie als die h\u00e4rtesten Wassersportler \u00fcberhaupt. Selbst wenn Teile des Flusses mit Eis bedeckt sind, finden sie noch ein Eisloch, um ihrem Lieblingssport zu fr\u00f6nen. Inspiriert von finnischen und russischen \u201eWalr\u00f6ssern\u201c sind sie die einzigen in der EU, die ihr Hobby auch in der gef\u00e4hrlichen Flussstr\u00f6mung pflegen.<\/p>\n<h2>Als Smetana in der Moldau badete<\/h2>\n<p>Jeder Europ\u00e4er kennt wohl Smetanas Komposition \u201eDie Moldau\u201c, den bekanntesten Teil aus dem Zyklus \u201eMein Vaterland\u201c, in dem der K\u00fcnstler den einzigartigen Moldau-Trog verewigte mit seinen ungeb\u00e4ndigten Teufelsstr\u00f6men zwischen Lipno und Vissy Brod und sich von der alten Kulturlandschaft am Fluss lustvoll inspirieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Smetana verweilte tagelang an den Moldau-Ufern, pflegte mit dem Fluss zu sprechen und gelegentlich ein erfrischendes Bad zu nehmen.<\/p>\n<h2>Germanen als Nichtschwimmer am \u201ewilden Wasser\u201c<\/h2>\n<p>\u00dcbersetzt bedeutet \u201eMoldau\u201c soviel wie wildes, heftiges Wasser. Der tschechische Name Vltava leitet sich aus dem germanischen Wilthahwa ab. Ein Zeichen, dass unsere Vorfahren der Wucht des Wassers gr\u00f6\u00dften Respekt zollten. Weder die alten Germanen noch die alten Tschechen trauten sich, im Fluss zu schwimmen \u2013 sie waren \u00fcberwiegend Nichtschwimmer. Die deutsche Bezeichnung Moldau wurde aus der tschechischen Sprache des 13. Jahrhunderts \u00fcbernommen \u2013 zuerst M\u00f6ltaua.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Kameraleute leben mitunter gef\u00e4hrlich\" src=\"..\/images\/mulderitter.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"399\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Steadycam mit Pferden auf der Saale\" src=\"..\/images\/alexsteady.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"390\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Mit Drehausr\u00fcstung im flachen Elbwasser\" src=\"..\/images\/strippenziehen.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"371\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"mit Peter Bause als Dessauer Stadtstreicher Hobusch\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/bausestadtstreicher.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"869\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Auf Dreh an der Werra mit Brombeermann und Brombeerfrau\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/werra.jpg\" alt=\"\" width=\"593\" height=\"395\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Unser Drehteam an der polnischen Weichsel\" src=\"http:\/\/www.heidi-muehlenberg.de\/images\/weichsel.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"440\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieviel im Leben eines Fernsehautoren ist Zufall? Diese Frage stelle ich mir oft. Zufall war es, dass 2001 das ARD-Magazin GLOBUS eingestellt wurde. Wir waren niedergeschlagen, wollten aber die Flucht nach vorn antreten. So gab es diesen denkw\u00fcrdigen Adventsabend mit\u00a0 Martina Wagner vom MDR, ein Brainstorming \u00fcber neue Projekte. 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